Ein junges Wildtier, das von sich aus auf einen Menschen zuläuft, wirkt zunächst vielleicht nur ungewöhnlich zutraulich. Bei einem jungen Eichhörnchen kann dieses Verhalten jedoch ein ernstzunehmendes Hilfesignal sein.
Verwaiste oder anderweitig hilfsbedürftige Jungtiere können Menschen gezielt folgen und sogar versuchen, an ihnen hochzuklettern. Eichhörnchen Schutz e. V. weist ausdrücklich darauf hin, dass solche Jungtiere auf menschliche Hilfe angewiesen sein können. Bei dieser Situation gilt deshalb nicht die übliche pauschale Empfehlung, ein allein gefundenes Wildtier grundsätzlich erst einmal für lange Zeit in Ruhe zu lassen.
Warum läuft ein wildes Eichhörnchen überhaupt auf Menschen zu?
Dass ein junges Eichhörnchen einem Menschen gezielt folgt oder an ihm hochklettert, ist kein gewöhnliches Distanzverhalten eines selbstständig zurechtkommenden Jungtiers und sollte deshalb als mögliches Hilfesignal ernst genommen werden. Bei jungen Eichhörnchen kann sich das Verhalten ändern, wenn sie ihre Mutter verloren haben oder dringend Versorgung benötigen. Dann können sie aktiv Kontakt suchen, einem Menschen folgen oder an Beinen hochklettern.
Das ist etwas anderes als ein erwachsenes Eichhörnchen, das in einem Park gelernt hat, Menschen mit Futter in Verbindung zu bringen. Entscheidend sind deshalb Alter, Zustand und Verhalten des Tieres.
Das Verhalten ist kein typisches Zeichen für Tollwut
Dass ein junges Eichhörnchen einem Menschen folgt oder an ihm hochklettert, ist für sich genommen kein typisches Tollwutzeichen. Bei Nagetieren einschließlich Eichhörnchen sind Rabiesviren nur in Einzelfällen nachgewiesen worden; eine Übertragung von Nagetieren auf Menschen ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts unter Verweis auf die WHO bislang nicht dokumentiert.
Unabhängig davon können verängstigte oder verletzte Wildtiere beißen oder kratzen. Unnötiger direkter Kontakt sollte deshalb vermieden werden; wenn eine Sicherung nötig ist, sollte sie möglichst nach fachkundiger Anleitung erfolgen.
Wann ein Eichhörnchen besonders dringend Hilfe braucht
Neben dem gezielten Folgen eines Menschen gibt es weitere Situationen, in denen fachkundige Hilfe erforderlich sein kann. Dazu gehören deutlich verletzte Tiere, sehr schwache Jungtiere oder Eichhörnchen, die bewegungslos beziehungsweise hilflos am Boden liegen. Eichhörnchen Schutz e. V. empfiehlt bei solchen Fällen eine schnelle Kontaktaufnahme mit einer spezialisierten Stelle.
Auch nach einem Sturz aus dem Kobel oder nach starkem Unwetter können Jungtiere Hilfe benötigen. Nicht jedes junge Eichhörnchen am Boden ist allerdings automatisch dauerhaft verwaist. Je nach Situation kann die Mutter versuchen, ihre Jungen wiederzufinden und zurückzuholen. Deshalb ist fachkundige Beratung sinnvoll, bevor langfristige Entscheidungen getroffen werden.
Nicht einfach füttern
Der Wunsch, einem schwachen Jungtier sofort Milch, Wasser oder etwas anderes zu geben, ist verständlich. Bei Eichhörnchenjungtieren kann eine ungeeignete Fütterung oder Flüssigkeitsgabe jedoch gefährlich sein.
Eichhörnchen Schutz e. V. empfiehlt deshalb, ein gesichertes Jungtier warm zu halten und zunächst weder Futter noch Flüssigkeit anzubieten. Statt improvisierter Versorgung sollte möglichst schnell eine spezialisierte Eichhörnchenhilfe oder andere fachkundige Wildtierstelle kontaktiert werden.
Sicher unterbringen und fachkundige Hilfe suchen
Wenn ein offensichtlich hilfsbedürftiges Jungtier gesichert werden muss, sollte es ruhig und sicher untergebracht und warm gehalten werden. Futter oder Flüssigkeit sollten nicht eigenmächtig eingegeben werden; anschließend sollte möglichst schnell eine spezialisierte Eichhörnchenhilfe oder fachkundige Wildtierstelle kontaktiert werden.
Nicht jede Tierarztpraxis verfügt über besondere Erfahrung mit Wildtieren oder Eichhörnchen. Eine spezialisierte Auffang- oder Beratungsstelle kann deshalb zusätzlich helfen, die nächsten Schritte und eine gegebenenfalls notwendige tierärztliche Versorgung abzustimmen.
Darf ich das Eichhörnchen behalten und selbst großziehen?
Ein hilfsbedürftiges Wildtier aufzunehmen bedeutet nicht, dass es damit zum Haustier wird. § 45 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen die Aufnahme verletzter, hilfloser oder kranker Wildtiere mit dem Ziel, sie gesund zu pflegen. Sobald sie sich wieder selbstständig erhalten können, müssen sie freigelassen werden. Bei streng geschützten Arten gelten zusätzliche Anforderungen.
Die Aufzucht eines Wildtieres hat deshalb grundsätzlich die Rückkehr in die Natur zum Ziel. Bei Jungtieren kommt hinzu, dass falsche Aufzucht und zu intensive Gewöhnung an Menschen eine spätere Auswilderung erschweren können. Fachkundige Betreuung ist deshalb besonders wichtig.
Ein wichtiger Unterschied zu anderen Jungtieren
Die Situation eines Eichhörnchens zeigt besonders deutlich, warum bei Wildtieren keine einzige Faustregel für alle Arten funktioniert. Beim ruhig liegenden Rehkitz kann Abstandhalten die richtige Hilfe sein.
Beim befiederten Ästling ist das Verbleiben bei den Eltern häufig entscheidend. Beim jungen Eichhörnchen, das einem Menschen gezielt hinterherläuft, kann dagegen genau dieses ungewöhnliche Verhalten anzeigen, dass es menschliche Hilfe braucht. Deshalb gilt nicht:
„Wildtier gefunden – niemals eingreifen.“
Ebenso wenig gilt: „Jungtier allein – sofort retten.“
Richtig ist: Tierart erkennen, Verhalten einordnen und dann passend handeln.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
Die folgenden Quellen wurden für die überarbeiteten sensiblen Aussagen am 13. September 2026 geprüft. Bei rechtlichen, behördlichen und anderen veränderlichen Informationen sollte die Aktualität vor einer späteren erneuten Veröffentlichung oder grundlegenden Überarbeitung wieder kontrolliert werden.
- Eichhörnchen Schutz e. V. – Fundtier- und Erste-Hilfe-Hinweise: https://eichhoernchen-schutz.de/
- Robert Koch-Institut – Ratgeber Tollwut: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Tollwut.html
- Bundesnaturschutzgesetz § 45: https://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__45.html