Es gibt Situationen, in denen Menschen ihr Tier nicht mehr halten können oder zu dem Schluss kommen, dass ein anderes Zuhause langfristig die bessere Lösung ist. Die Gründe können sehr unterschiedlich sein: Veränderungen der Lebenssituation, Krankheit, finanzielle Probleme, Konflikte im Zusammenleben, Überforderung oder Anforderungen des Tieres, die dauerhaft nicht erfüllt werden können.
Eine notwendige Abgabe macht jemanden nicht automatisch zu einem schlechten Tierhalter. Entscheidend ist vielmehr, wie mit der Situation umgegangen wird. Je früher nach einer tragfähigen Lösung gesucht wird, desto größer ist die Chance, ein passendes neues Zuhause zu finden, ohne unter massivem Zeitdruck entscheiden zu müssen.
Zuerst klären: Muss das Tier tatsächlich dauerhaft abgegeben werden?
Nicht jedes Problem erfordert automatisch einen endgültigen Besitzerwechsel. Manchmal lässt sich eine vorübergehende schwierige Situation überbrücken oder die Ursache eines Problems gezielt angehen.
Je nach Anlass kann beispielsweise eine zeitweise Betreuung, Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld oder fachkundige Beratung eine Alternative sein. Bei gesundheitlichen oder auffälligen Verhaltensveränderungen kann außerdem eine fachliche Abklärung sinnvoll sein, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird.
Das bedeutet nicht, dass eine Abgabe um jeden Preis verhindert werden sollte. Wenn die Haltung dauerhaft nicht mehr möglich ist oder Mensch und Tier erkennbar nicht miteinander zurechtkommen, kann eine verantwortungsvoll vorbereitete Vermittlung die bessere Lösung sein.
Stammt das Tier aus einem Tierheim oder Tierschutzverein?
Dann sollte zunächst der bestehende Übernahme- oder Schutzvertrag geprüft und die ursprüngliche Organisation kontaktiert werden.
Solche Verträge können Regelungen dazu enthalten, was geschehen soll, wenn das Tier nicht mehr gehalten werden kann. Möglich sind beispielsweise Informationspflichten, Rückgaberegelungen oder Vorgaben für eine Weitervermittlung. Welche Regelung im konkreten Fall gilt und rechtlich wirksam ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab; bei rechtlichen Zweifeln kann eine individuelle rechtliche Beratung erforderlich sein.
Auch bei einem Tier vom Züchter kann es sinnvoll sein, den ursprünglichen Vertrag zu prüfen und Kontakt aufzunehmen. Manche Züchter unterstützen bei einer Rücknahme oder Neuvermittlung.
Ein Tierheim muss dein Tier nicht sofort aufnehmen
Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Tierheim ein Haustier aufnehmen muss, sobald sein Halter es nicht mehr behalten kann. Eine solche allgemeine Verpflichtung besteht für Abgabetiere nicht.
Der Deutsche Tierschutzbund weist ausdrücklich darauf hin, dass die Aufnahme von Abgabetieren durch Tierschutzvereine nicht verpflichtend ist. Die Versorgung solcher Tiere wird zudem nicht wie die kommunale Fundtierunterbringung aus einer öffentlichen Zuständigkeit heraus finanziert, sondern muss vom Verein beziehungsweise Tierheim selbst getragen werden.
Hinzu kommen begrenzte Kapazitäten. Tierheime müssen deshalb immer wieder Aufnahmestopps verhängen oder Halter auf Wartelisten setzen. Wer sein Tier abgeben muss, sollte nicht davon ausgehen, dass kurzfristig irgendwo ein freier Platz vorhanden ist.
Mehr zur Abgrenzung von Zuständigkeit und freiwilliger Hilfe findest du unter Wer ist bei einem Tierschutzproblem zuständig?
Beginne möglichst früh mit der Suche
Ein gutes neues Zuhause findet sich nicht zwingend innerhalb weniger Tage.
Wie lange eine Vermittlung dauert, hängt unter anderem von Tierart, Alter, Gesundheitszustand, Verhalten und den Anforderungen an das neue Zuhause ab. Ein unkomplizierter junger Hund kann andere Interessenten finden als ein alter Hund mit gesundheitlichen Problemen, eine unverträgliche Katze oder ein Tier, das besondere Erfahrung benötigt.
Wer erst mit der Suche beginnt, wenn das Tier „bis Freitag weg sein muss“, hat erheblich weniger Möglichkeiten, Interessenten sorgfältig auszuwählen. Dann entsteht schnell der Druck, die erste verfügbare Lösung statt der tatsächlich passenden zu nehmen.
Wenn absehbar ist, dass ein Tier künftig nicht mehr gehalten werden kann, sollte die Vermittlung deshalb möglichst früh vorbereitet werden.
Ehrliche Informationen helfen dem Tier
Eine gute Vermittlung beginnt mit einer ehrlichen Beschreibung.
Dazu gehören nicht nur Alter, Geschlecht und Aussehen, sondern auch Informationen über Gesundheitszustand, bisherige Haltung, Verhalten, bekannte Schwierigkeiten und besondere Bedürfnisse. Bei Hunden können beispielsweise Verträglichkeit, Alleinbleiben, Verhalten gegenüber Menschen, mögliche Ängste oder bekannte Beißvorfälle relevant sein.
Problematische Eigenschaften zu verschweigen erhöht vielleicht kurzfristig die Zahl der Interessenten. Es erhöht aber ebenso das Risiko, dass das neue Zuhause nicht passt und das Tier erneut weitergegeben wird.
Auch vorhandene Unterlagen sollten zusammengestellt werden. Dazu können Impf- und Gesundheitsunterlagen, Chipnummer, Registrierungsdaten, Herkunftsnachweise und bestehende Verträge gehören.
Welche Stellen können bei der Vermittlung helfen?
Je nach Tier und Vorgeschichte kommen unterschiedliche Ansprechpartner infrage. Neben dem ursprünglichen Tierheim oder Tierschutzverein können örtliche Tierheime, andere seriöse Tierschutzorganisationen, rasse- oder tierartspezifische Hilfen und das persönliche Umfeld mögliche Wege sein.
Eine Anfrage bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Organisation das Tier übernehmen kann. Manche Stellen können lediglich beraten, bei der Verbreitung einer Vermittlung helfen oder Interessenten vermitteln, während das Tier bis zur endgültigen Übergabe beim bisherigen Halter bleibt.
Deshalb ist es sinnvoll, konkret zu fragen: Kann die Stelle das Tier aufnehmen, bei der Vermittlung unterstützen oder lediglich andere Ansprechpartner nennen?
Wenn du eine Organisation für Unterstützung bei der Vermittlung suchst, hilft dir außerdem Woran erkenne ich einen seriösen Tierschutzverein?
Warum Kleinanzeigenportale problematisch sein können
Ein Onlineportal wirkt zunächst wie der schnellste Weg: Anzeige einstellen, Interessenten melden sich, neues Zuhause auswählen.
Gerade bei Tieren ist Geschwindigkeit aber kein besonders gutes Auswahlkriterium.
Der Deutsche Tierschutzbund warnt ausdrücklich vor einer deutschlandweiten Vermittlung über Online-Kleinanzeigenportale. Als Problem nennt er unter anderem, dass kaum kontrollierbar ist, in welche Hände das Tier gelangt und dass Tiere mehrfach weitergegeben oder weiterverkauft werden können. Stattdessen empfiehlt er bei notwendiger privater Vermittlung unter anderem das persönliche Umfeld und legt Wert darauf, Interessenten und Tier vorher kennenzulernen sowie die künftigen Haltungsbedingungen zu prüfen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Interessent aus einem Onlineportal ungeeignet ist oder jede dort begonnene Vermittlung zwangsläufig schlecht endet. Ein Portal stellt zunächst lediglich den Kontakt her. Die eigentliche Verantwortung für Auswahl und Übergabe bleibt beim bisherigen Halter.
Wer einen solchen Weg nutzt, sollte deshalb nicht nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, bekommt das Tier“ vermitteln.
„Kostenlos abzugeben“ löst das Problem nicht
Wer dringend ein neues Zuhause sucht, möchte manchmal bewusst keine Schutz- oder Übernahmegebühr verlangen, damit sich möglichst schnell jemand findet.
Dadurch entsteht aber keine zusätzliche Sicherheit für das Tier. Entscheidend ist nicht, ob ein Interessent bereit ist, einen bestimmten Betrag zu zahlen, sondern ob das neue Zuhause tatsächlich geeignet ist und die Entscheidung verantwortungsvoll getroffen wurde.
Gerade unter Zeitdruck sollte deshalb nicht versucht werden, möglichst jede Hürde für eine schnelle Übernahme zu beseitigen. Gespräch, Kennenlernen, Prüfung der Haltungsbedingungen und eine klare Vereinbarung bleiben sinnvoll, unabhängig davon, ob und in welcher Höhe eine Zahlung vereinbart wird.
Was zu einem verantwortungsvollen Vermittlungsprozess gehört
Ein Interessent sollte Gelegenheit haben, das Tier kennenzulernen und Fragen zu stellen. Ebenso darf der bisherige Halter Fragen zum künftigen Zuhause stellen.
Je nach Tier können dabei beispielsweise Wohn- und Lebenssituation, vorhandene Tiere, Erfahrung, Arbeitszeiten oder besondere Anforderungen eine Rolle spielen. Es geht nicht darum, einen Bewerber nach persönlichen Sympathien oder einem perfekten Haushalt zu beurteilen, sondern darum, ob die konkrete Lebenssituation zum Tier passt.
Wichtige Informationen sollten nicht nur mündlich weitergegeben werden. Eine schriftliche Vereinbarung schafft Klarheit darüber, welches Tier übergeben wurde, welche Informationen bekannt waren und was zwischen den Beteiligten vereinbart ist.
Muster-Tierübernahmevertrag
Für eine private Weitergabe kannst du den Muster-Tierübernahmevertrag des Tierschutzkompass als Grundlage nutzen. Er dient dazu, die Übergabe, bekannte Angaben zum Tier und die Vereinbarungen zwischen den Beteiligten nachvollziehbar festzuhalten. Er ersetzt keine individuelle rechtliche Beratung.
Muster-Tierübernahmevertrag als DOCX herunterladen →
Muster-Tierübernahmevertrag als PDF öffnen →
Ein Kennenlernen ist mehr als eine Formalität
Fotos und Nachrichten können einen ersten Eindruck vermitteln, ersetzen aber kein persönliches Kennenlernen.
Dabei lässt sich nicht nur beobachten, wie Interessent und Tier miteinander umgehen. Beide Seiten können auch überprüfen, ob Erwartungen und Realität zusammenpassen. Bei bestimmten Tieren können mehrere Treffen sinnvoll sein.
Auch eine Besichtigung des künftigen Lebensumfelds oder eine andere nachvollziehbare Prüfung der Haltungsbedingungen kann sinnvoll sein. Wie umfangreich das sein muss, hängt vom Tier und der Situation ab.
Das Ziel ist keine Kontrolle der Haushaltsführung. Entscheidend ist, ob das Tier dort voraussichtlich passend und sicher leben kann.
Mehr zu diesem Grundgedanken findest du unter Was ist eine Vorkontrolle – und warum machen Tierschutzvereine sie?
Wenn es sehr dringend ist
Manchmal entsteht eine Situation tatsächlich kurzfristig. Ein Krankenhausaufenthalt, eine schwere Krise oder andere unerwartete Ereignisse können dazu führen, dass ein Tier innerhalb kurzer Zeit anderweitig versorgt werden muss.
Dann kann es sinnvoll sein, zunächst zwischen vorübergehender Unterbringung und endgültiger Abgabe zu unterscheiden. Eine kurzfristige Betreuung, Tierpension oder andere Übergangslösung kann Zeit schaffen, um eine dauerhafte Entscheidung nicht unter maximalem Druck treffen zu müssen.
Solche Möglichkeiten sind nicht überall verfügbar und können Kosten verursachen. Auch Tierschutzvereine und Tierheime verfügen nicht automatisch über kurzfristige Notfallplätze.
Je früher mehrere mögliche Stellen angesprochen werden, desto größer ist der Handlungsspielraum.
Aussetzen ist keine Lösung
Wenn keine schnelle Vermittlung gelingt, darf ein Tier nicht einfach zurückgelassen oder ausgesetzt werden.
§ 3 Tierschutzgesetz verbietet ausdrücklich, ein in menschlicher Obhut gehaltenes Tier auszusetzen oder zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- beziehungsweise Betreuerpflicht zu entziehen.
Auch eine schwierige Situation ändert daran nichts. Wenn die bisherigen Wege nicht funktionieren, müssen andere Unterbringungs- oder Beratungsstellen gesucht werden.
Übergabe schriftlich festhalten
Ist ein geeignetes neues Zuhause gefunden, sollte die Übergabe nachvollziehbar dokumentiert werden.
Dazu gehören die Daten der Beteiligten und des Tieres, die vorhandenen Unterlagen sowie bekannte gesundheitliche oder verhaltensbezogene Besonderheiten. Außerdem sollte klar sein, was hinsichtlich Eigentumsübergang, Unterlagen und gegebenenfalls weiterer Vereinbarungen gelten soll.
Tiere sind nach § 90a BGB keine Sachen, auf sie werden jedoch grundsätzlich die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend angewendet, soweit nichts anderes bestimmt ist. Für die Eigentumsübertragung spielen deshalb auch die zivilrechtlichen Regelungen eine Rolle.
Der Tierschutzkompass bietet keine individuelle Rechtsberatung. Bei komplizierten Eigentumsverhältnissen, strittigen Vertragsklauseln oder anderen rechtlichen Auseinandersetzungen kann eine individuelle Beratung erforderlich sein.
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Eine gute Vermittlung braucht Zeit – soweit Zeit vorhanden ist
Wer ein Tier abgeben muss, braucht keine Vorwürfe. Er braucht einen realistischen Plan.
Dazu gehört aber auch die Erkenntnis, dass ein geeignetes neues Zuhause nicht auf Bestellung verfügbar ist. Tierheime können voll sein, Tierschutzvereine müssen ein Tier nicht aufnehmen und private Interessenten müssen sorgfältig ausgewählt werden.
Deshalb ist frühes Handeln so wichtig. Je mehr Zeit für Gespräche, Kennenlernen und Auswahl bleibt, desto größer ist die Chance, dass der nächste Platz nicht nur irgendein Platz ist, sondern tatsächlich ein dauerhaft passendes Zuhause.
sehen → einordnen → handeln bedeutet in dieser Situation auch: das Problem rechtzeitig erkennen, die Möglichkeiten realistisch einschätzen und die Vermittlung so vorbereiten, dass das Tier nicht unter dem entstehenden Zeitdruck die schlechteste Lösung bekommt.