Hunde aus dem Ausland sind nicht automatisch krank. Herkunft, Aufenthaltsorte, Haltung, Vektorkontakt, Impfstatus und Transport können aber dazu führen, dass Erkrankungen relevant werden, die bei einem in Deutschland aufgewachsenen Hund seltener oder anders gewichtet sind.
Die alte Sammelbezeichnung „Mittelmeerkrankheiten“ reicht dafür nicht aus. Mehrere Vektoren und Erreger kommen auch in Südost- und Osteuropa vor oder breiten sich nach Mitteleuropa aus, während andere Erkrankungen gar nicht an den Mittelmeerraum gebunden sind.
Wichtige vektorübertragene Erkrankungen
- Leishmaniose wird vor allem durch Sandmücken übertragen und kann sehr unterschiedliche Organe und Haut betreffen.
- Babesiose, Ehrlichiose und Anaplasmose werden überwiegend durch Zecken übertragen; ihre Verbreitungsgebiete und klinischen Bilder überschneiden sich teilweise.
- Dirofilariosen werden durch Stechmücken übertragen. Dirofilaria immitis verursacht die Herzwurmerkrankung, Dirofilaria repens lebt überwiegend im Unterhautgewebe.
- Hepatozoonose wird bei Hunden typischerweise durch das Verschlucken infizierter Zecken erworben und ist in bestimmten Herkunftsregionen relevant.
Welche dieser Erkrankungen bei einem einzelnen Hund sinnvoll untersucht werden sollte, hängt von seiner Reise- und Aufenthaltsgeschichte ab. Eine starre Länder- oder Laborliste kann diese Einordnung nicht ersetzen.
Weitere importassoziierte Risiken
Brucella canis ist eine bakterielle Infektion des Hundes mit zoonotischem Potenzial. Sie kann unter anderem mit Reproduktionsstörungen verbunden sein, kann aber auch bei Hunden ohne auffällige Symptome vorkommen; bei importierten oder aus Beständen stammenden Hunden kann sie deshalb je nach Vorgeschichte relevant sein.
Deutschland gilt seit 2008 als frei von klassischer terrestrischer Tollwut. Bei importierten Tieren aus Regionen mit Tollwutvorkommen bleibt die Erkrankung dennoch ein besonders wichtiges Risiko. Der deutsche Tollwutfall eines importierten Hundes im Jahr 2026 hat gezeigt, warum verlässliche Dokumente und gültiger Impfschutz nicht als Formalität behandelt werden dürfen.
Auch häufige Erkrankungen bleiben häufig
Giardien, andere Darmparasiten, Parvovirose, Staupe, Ektoparasiten oder Hautpilze können ebenfalls vorkommen. Sie sollten nicht automatisch als spezielle „Auslandskrankheiten“ bezeichnet werden, weil viele davon auch bei Hunden in Deutschland auftreten.
Für die Praxis ist wichtiger, welche Exposition tatsächlich möglich war und welche Symptome oder Befunde vorliegen. Ein breites ungezieltes Testpanel kann ebenso wenig sinnvoll sein wie die Annahme, mit einem einzigen negativen Test sei jede importassoziierte Erkrankung ausgeschlossen.
Wann tierärztliche Abklärung besonders wichtig ist
Fieber, deutliche Schwäche, Gewichtsverlust, auffällige Hautveränderungen, Blutungsneigung, Lahmheit, Atemprobleme, Husten, stark veränderte Schleimhäute oder neurologische Auffälligkeiten gehören tierärztlich eingeordnet. Welche Diagnostik erforderlich ist, entscheidet sich aus Befund und Vorgeschichte.
Die Gesundheitsübersicht soll deshalb Orientierung geben, nicht Diagnosen aus Symptomen ableiten. Wer einen Auslandshund übernimmt, sollte Herkunfts- und Reiseinformationen, vorhandene Laborbefunde und Impfunterlagen zum Tierarzttermin mitbringen.
Quellen
Quellenstand: 13.09.2026. Bei rechtlichen und medizinischen Themen gilt immer die aktuelle Fassung der verlinkten Primär- bzw. Fachquelle.
- ESCCAP – Krankheiten bei Hunden aus dem Ausland: https://www.esccap.de/hunde-aus-dem-ausland-und-parasiten/welche-krankheiten-koennen-hunde-aus-dem-ausland-mitbringen/
- ESCCAP – Empfehlung zu vektorübertragenen Erkrankungen: https://www.esccap.de/empfehlung/vbds/
- Friedrich-Loeffler-Institut – Brucellose / Brucella canis: https://www.fli.de/de/institute/institut-fuer-bakterielle-infektionen-und-zoonosen-ibiz/referenzlabore/woah-und-nrl-fuer-brucellose/
- Bundestierärztekammer – Tollwutfall bei importiertem Hund 2026: https://www.bundestieraerztekammer.de/presse/2026/02/Auslandstierschutz-mit-Risiko.php
Passende weitere Inhalte
- Welche Tests sind bei Auslandshunden sinnvoll – und wann?
- Leishmaniose beim Hund: Was bedeutet ein positiver oder verdächtiger Befund?
- Herzwurm und Hautwurm: Was bedeutet Dirofilariose beim Hund?
- Babesiose, Ehrlichiose und Anaplasmose bei Auslandshunden: Was unterscheidet sie?
- Tollwut bei importierten Hunden: Was sollten Halter wissen?